Eine Kolumne von Sebastian FiebigerPiratenpartei: Erst von ganz unten führt der Weg nach oben

Seit einigen Tagen machen die deutschen Massenmedien das, was sie am liebsten tun: Dinge zu Grabe tragen. Und auf dem politischen Friedhof der Presse stapeln sich die Leichen.

Überlebt die Piratenpartei?

Überlebt die Piratenpartei? (Foto: CC-BY | Tobias M. Eckrich)

FDP, NDP und Piratenpartei haben einen gerade noch tastbaren Puls. Die schreibende Zunft hämmert ihnen trotzdem schon mal rein vorsorglich den Sargnagel in die Klöten.

Nun interessieren mich Hotel-Lobbyisten und Adolfs Nachgeburt in etwa so sehr wie die Arschhaare von Tante Erna. Wenden wir uns also den Freibeutern zu! Angeblich hat die Partei mit Massenaustritten zu kämpfen, die man aber angeblich seitens der Presse deshalb nicht überprüfen konnte, weil der Verantwortliche Pressesprecher angeblich selbst aus der Partei ausgetreten sei. Fest steht hingegen, dass Anke Domscheit-Berg (schade!), Christopher Lauer (naja) und Anne Helm (yippi!) die Partei verlassen haben.

So what?

Dass nach den desaströsen Wahlergebnissen der jüngsten Vergangenheit eine moderate Fahnenflucht einsetzen würde, war nicht ganz so überraschend wie die Erfindung des Dosenbrots.

Anne Helm wollte ins Europaparlament. Das hat nicht geklappt. (puh!) Anke Domscheit-Berg hatte Erwartungen an die Piraten, die wohl keine Partei erfüllen kann. Und Christopher Lauer hat vermutlich nur das Formular verwechselt.

Die Separatisten der Piratenpartei

Was aber bleibt, ist die linke Absetzbewegung in Berlin. Noch ist die „Progressive Plattform“ nur ein Flügel der Piratenpartei. Über die Neugründung einer eigenen Partei wurde aber schon mehr als einmal laut nachgedacht. Zurecht!

Allein der Name, den die Separatisten gewählt haben, ist ein wenig irreführend. Stehen große Teile der Plattform-Mitglieder eben gerade nicht für ergebnisorientierte Realpolitik, sondern für retro-kommunistische Phantasterei und mittelmäßige Moppelklampen zu Ehren von Kriegsverbrechern. Ein Grund, warum die Piratenbasis schon länger mit dem Treiben der Berliner fremdelt.

Ein Phönix aus der Asche?

Damit der Piratenpartei ein neuer Anfang gelingt, muss sie erst ganz unten ankommen. Erst wenn das Gros der Karrieristen und Profilneurotiker verabschiedet ist, kann sich die Partei auf eine ehrliche Richtungssuche begeben.

Ob es danach noch „meine Partei“ ist? Keine Ahnung! Ich hoffe es. Ich bin gespannt. Positiv.

Links, Meinungen & Quellen

1 Anke Domscheit-Bergs weinerlicher Abschiefsbrief
2 Nick denkt, die Partei hat durch die jüngsten Austritte an Narzismus verloren
3 Henning Uhle fasst die ganze Geschichte nochmal „bei einem Bier“ zusammen
4 Bei den Ruhrbaronen gibt es einen amüsanten Beitrag nebst Austrittsgenerator
5 Katrin Hilger: Warum es die Piraten mehr denn je braucht
6 Thomas Matzka: Die Presse und der Irrglaube vom Untergang der Piraten
7 Aranitas Gedanken: Antidemokraten – Austreten, Nachtreten
8 Sebastian Raible: Wir sind alle ausgetreten
9 Lars Reineke: Warum ich ausgetreten bin

Sebastian Fiebiger: Weißt Du etwas, das hier noch fehlt? Schreib mir Deine Meinung, Ergänzungen und Fragen – direkt unter diesem Artikel, in den Kommentaren. Du hilfst damit auch anderen Lesern.

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